Test zu South of Midnight: Ein Abenteuer, das dich in seinen Bann zieht
, von Enzo
Mit South of Midnight ist das narrative Abenteuer des Studios Compulsion Games verfügbar. Es zeichnet sich durch eine starke künstlerische Identität und eine in Videospielen selten behandelte Folklore aus: die des Südens der Vereinigten Staaten. Schon in den ersten Minuten wird der Ton angegeben: Stürme, Sümpfe, Fabelwesen und das kollektive Gedächtnis durchziehen jeden Winkel dieser Welt. Du schlüpfst in die Rolle von Hazel, einer liebenswerten jungen Frau mit geheimnisvollen Kräften, die sich nach einer Naturkatastrophe, die ihr Leben auf den Kopf stellt, auf eine Initiationsreise begibt. Die Geschichte verwebt gekonnt persönliches Drama und lokale Mythen in einer Atmosphäre, die zwischen Märchen und Albtraum schwankt.
Es war einmal, in einem mythischen Süden…
South of Midnight entführt uns in eine fantasievolle Version des Südens der USA, wo Legenden zum Leben erwachen und die Natur von einem eigenen Willen beseelt zu sein scheint. Du schlüpfst in die Rolle von Hazel, einer jungen Frau, die mit einer Katastrophe konfrontiert wird, die ihr Leben auf den Kopf stellt und sie dazu treibt, eine Welt zu erkunden, die von geheimnisvollen Kräften verzerrt wurde.
Schon sehr früh legt das Spiel den Grundstein: Das Reale und das Übernatürliche existieren ohne klare Grenze nebeneinander. Nebelverhangene Sümpfe, verfallene Hütten und dichte Wälder werden zum Schauplatz alter Geschichten, vergrabener Traumata und Kreaturen aus der lokalen Folklore. Dieser narrative Ansatz verleiht dem Spiel eine starke Identität, wie man sie bei einer Produktion dieser Größenordnung selten findet.
Die Geschichte ist zwar in einer bestimmten Kultur verankert, dreht sich aber auf subtile Weise um universelle Themen: Trauer, Weitergabe, Erinnerung. Darin liegt zweifellos einer der größten Erfolge des Titels: Folklore als treibende Kraft der Erzählung zu nutzen und nicht nur als bloßen ästhetischen Anstrich.
Eine bezaubernde künstlerische Gestaltung
Schon in den ersten Minuten besticht das Spiel durch seinen visuellen Stil, angefangen bei der Animation bis hin zu den einzigartigen Grafiken. Die Entscheidung für eine von Stop-Motion inspirierte Animation verleiht den Figuren eine leicht abgehackte, fast unwirkliche Bewegungsabfolge, verdeutlicht aber von Anfang an die künstlerische Absicht dahinter. Während des Gameplays lassen sie sich zwar deaktivieren, bleiben aber in den Zwischensequenzen erhalten und sind dort sehr willkommen.
Die Umgebungen hingegen sind von bemerkenswerter Vielfalt (und Schönheit). Jeder Bereich wirkt wie von Hand gestaltet, wobei besonders viel Sorgfalt auf Texturen, Licht und die Klangatmosphäre verwendet wurde. Die Kontraste zwischen warmen Farben und tiefen Schatten tragen dazu bei, eine Atmosphäre zu schaffen, die zugleich einladend und beunruhigend ist. Es ist keine leichte Aufgabe, so langweilige Orte wie Sümpfe oder altmodische Herrenhäuser so poetisch und ansprechend darzustellen.
Auch das Bestiarium verdient Lob, obwohl es nicht besonders umfangreich ist. Die Kreaturen, denen Hazel begegnet, sind nicht einfach nur Gegner: Oft verkörpern sie Geschichten, Ängste oder Symbole. Ihr Design, das zugleich grotesk und faszinierend ist, trägt dazu bei, die visuelle Identität des Spiels zu stärken. Vor allem die Hauptgegner haben ein ausgefeiltes, einprägsames Aussehen, das sie schon durch ihre bloße Anwesenheit imposant macht.
Gameplay: solide, wenn auch klassisch
Mit dem Controller in der Hand präsentiert sich South of Midnight als relativ traditionelles Action-Adventure: Man klettert auf Plattformen, erkundet ein paar Nebenwege und kämpft. Hazel verfügt über mystische Kräfte, mit denen sie mit ihrer Umgebung interagieren kann, um diese zu verändern oder Zugänge freizuschalten, aber auch, um verschiedene feindliche Wesen zu bekämpfen.
Die Kampfsequenzen basieren auf einer Mischung aus Angriffen, Ausweichmanövern und Spezialfähigkeiten. Das Ganze funktioniert zwar gut, lässt aber manchmal an Tiefe vermissen. Die Kämpfe, die oft in Arenen stattfinden, werden mit der Zeit ziemlich eintönig, da es an einer echten Weiterentwicklung der Spielmechanik oder einer großen Vielfalt an Gegnern mangelt – auch wenn diese optisch gut gelungen sind.
Die Erkundung hingegen ist spannender. Das Spiel hat eine halblineare Struktur, die dem Spieler eine gewisse Freiheit lässt, Nebenbereiche und Hintergrundgeschichten zu entdecken. Die Plattform-Abschnitte sind zwar nicht besonders anspruchsvoll, sorgen aber für einen angenehmen Rhythmus zwischen zwei Kampfsequenzen.
Eine fesselnde, aber klar strukturierte Erzählung
Die Geschichte von South of Midnight besticht durch ihre Feinfühligkeit und ihren Ehrgeiz. Das Spiel nimmt sich Zeit, seine Charaktere zu entwickeln und zu vertiefen, die Herausforderungen zu stellen und seine Themen zu ergründen. Manche Sequenzen sind besonders einprägsam, sowohl emotional als auch visuell. Noch beeindruckender ist die epische Erzählung, die das Abenteuer prägt und von emotionaler Tiefe sowie familiären Bezügen begleitet wird. Im Laufe der Geschichte sorgen zahlreiche Charaktere für Trost, Druck, ein Gefühl der Verlassenheit oder sogar Schuldgefühle.
Die wichtigsten Etappen der Geschichte folgen einer recht klassischen Struktur, und Spieler, die an narrative Spiele gewöhnt sind, werden von den verfügbaren Wendungen wohl nicht überrascht sein. Das schmälert zwar nicht die Gesamtwirkung der Geschichte, verhindert aber, dass das Spiel den Status eines storytechnisch wirklich herausragenden Werks voll und ganz erreicht.
Für PC getestet. Unsere Bewertungsrichtlinien findest du hier.
9/10
South of Midnight gehört zu jener Art von Produktion, die man als echtes Juwel bezeichnen kann. Es ist ein Werk, das niemanden kalt lässt und bei dem Identität und Emotionen Vorrang vor technischer Leistung oder mechanischer Komplexität haben. Obwohl das Gameplay relativ klassisch ist, veredelt das Spiel unser Erlebnis durch seine einzigartige künstlerische Gestaltung, sein Universum und seine atemberaubenden Kulissen, seinen außergewöhnlichen Soundtrack und sogar seine Geschichte, die ebenso brillant wie düster ist. Ein ebenso unterhaltsames wie einzigartiges Abenteuer, getragen von dieser starken künstlerischen Vision – das Spiel wird alle begeistern, die sich darauf einlassen.
- + Prächtige künstlerische Leitung
- + Eine selten erforschte Folklore
- + Toller Soundtrack
- + Eine fesselnde Geschichte und gelungene Synchronisationen
- - Standardisierter, sich wiederholender Spielablauf
- - Die Kämpfe werden mit der Zeit etwas eintönig










