Test zu Mafia: The Old Country: Eine gelungene Rückkehr zu den Wurzeln?
, von Enzo
Mit Mafia: The Old Country lädt uns das Entwicklerstudio Hangar 13 ein, zu den Anfängen des organisierten Verbrechens zurückzukehren – lange vor den amerikanischen Wolkenkratzern und den dreiteiligen Anzügen. Auf geht’s ins Sizilien der 1900er Jahre, in eine Welt geprägt von Armut, Traditionen und Ehre, in der die Mafia noch keine Industrie ist, sondern eine Frage des Überlebens und der Loyalität. Diese neue Folge verspricht einen intimeren und historischeren Ansatz, der sorgfältig ausgearbeitete Erzählung, realistische Immersion und filmisches Gameplay vereint – das Markenzeichen der Reihe. Aber wird diese Rückkehr zu den Wurzeln den hochgesteckten Ambitionen gerecht?
Eine intime und gekonnt inszenierte Geschichte
Das Spiel bietet eine bewusst gemächliche Erzählung, die stellenweise fast schon kontemplativ wirkt. Es entfernt sich von den großen kriminellen Epen, um einen menschlicheren, tragischeren Aufstieg zu schildern – insbesondere den der Hauptfigur Enzo. Ohne die Erzählstruktur revolutionieren zu wollen, besticht „Mafia: The Old Country“ durch die Qualität seines Drehbuchs und seiner Dialoge, die oft nüchtern, aber wirkungsvoll sind.
Die Figuren sind gut ausgearbeitet und greifen klassische Themen der Saga auf: Familie, Ehre und Verrat. Die meisten haben wirklich einen gut durchdachten Charakter und ermöglichen einen einzigartigen Austausch mit jedem von ihnen, was sie besonders liebenswert macht.
Don Torrisi und seine Ausstrahlung werden denen, die sich darauf einlassen, ein paar Gänsehautmomente bescheren. Die sehr filmische Inszenierung verstärkt diesen Eindruck, einer Tragödie aus nächster Nähe mitzuerleben, statt nur einer einfachen Krimigeschichte, bei der man bloß Zuschauer wäre.
Sorgfältige künstlerische Gestaltung & Immersion
Eine der Stärken des Spiels liegt in seiner künstlerischen Gestaltung. Die Umgebungen, ob ländlich oder halbstädtisch, strahlen Authentizität aus und tragen voll und ganz zur Immersion bei. Jeder Ort erzählt etwas über seine Zeit und seine Bewohner, auch wenn man es bedauert, dass man relativ stark auf die Hauptstraße beschränkt ist und sich nicht allzu weit davon entfernen kann.
Der Soundtrack, dezent, aber gut integriert, untermalt die Action und die spannungsgeladenen Momente wirkungsvoll, während die Arbeit an den Geräuschkulissen die Glaubwürdigkeit der Welt verstärkt. Die Synchronisation ist besonders gut gelungen.
Das Eintauchen in die Spielwelt gelingt insgesamt dank der Kohärenz zwischen Handlung, Gameplay und Spielwelt. Man spürt wirklich den Willen der Entwickler, eine Zeit stiller Gewalt zu vermitteln. Technisch gesehen erscheint das Spiel insgesamt gut. Es ist visuell solide, recht gut animiert, aber nicht ganz frei von kleinen Unvollkommenheiten, insbesondere bei bestimmten Animationen oder leichten Leistungsschwankungen.
Gameplay: einfach, aber effektiv
Was das Gameplay angeht, versucht Mafia: The Old Country nicht, die gängigen Konventionen auf den Kopf zu stellen – und dazu steht es voll und ganz. Das Spiel setzt auf eine eher lineare Erzählstruktur, unterbrochen von dosierten Erkundungsphasen. Die Kämpfe, die bewusst schwerfällig und realistisch gestaltet sind, erfordern eine gewisse Vorsicht und steigern die Spannung, auch wenn es ihnen manchmal an Dynamik und Schwierigkeitsgrad mangelt. Die Waffen sind recht vielfältig und bieten ein gutes Schussgefühl.
Ein weiterer interessanter Punkt: die Messer. Sie lassen sich geschickt zum Meucheln, Werfen, zum Öffnen von Truhen oder sogar für intensive Eins-gegen-Eins-Duelle einsetzen, was der Auswahl und den Verbesserungen, die du vornimmst, eine gewisse Bedeutung verleiht.
Insgesamt sind die Spielmechaniken zwar solide, aber wenig innovativ, und manche Sequenzen wirken wie ein Déjà-vu. Dennoch passt das Ganze gut zur realistischen und immersiven Vision des Spiels, die Glaubwürdigkeit gegenüber spektakulären Übertreibungen in den Vordergrund stellt. Auch hier gilt: Wenn du auf der Suche nach Nervenkitzel und absoluter Originalität bist, ist dieser Teil nichts für dich.
Auf PC getestet. Unsere Bewertungsrichtlinien findest du hier.
7.5/10
Mafia: The Old Country ist eine solide und selbstbewusste Episode, die vor allem auf ihre Erzählung, ihre Atmosphäre und ihre Authentizität setzt. Es macht Spaß, Enzo bei seinem Aufstieg zu begleiten. Auch wenn das Spiel in Sachen Gameplay nur wenig Neues bietet, gelingt ihm doch sein Hauptziel: eine glaubwürdige und fesselnde Rückkehr zu den Wurzeln der Mafia, fernab der aktuellen Klischees. Die Spielzeit ist für ein narratives Spiel dieser Art ausreichend, doch der Wiederspielwert bleibt begrenzt. Es ist ein Abenteuer, das man wegen seiner Geschichte nur einmal erlebt. Ein paar Monate nach der Veröffentlichung erschien eine kostenlose Erweiterung, die über einen eigenen Spielmodus zusätzliche Inhalte bietet und sehr gut ankommt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Titel vor allem Liebhaber gut durchdachter Geschichten und Fans der Saga ansprechen wird, auch wenn diejenigen, die ein offeneres oder moderneres Erlebnis erwartet haben, vielleicht etwas auf ihre Kosten kommen.
- + Eine einfache, aber spannende Geschichte
- + Interessante Inszenierung
- + Schöne Darstellung von Sizilien
- + Erkundungsmodus mit Bonusinhalten
- - Eine etwas kurze Geschichte
- - Hoher Stromverbrauch aufgrund der Beleuchtung








